|
|
Natur Art 2007 / Scheune und Hof, Monschau - Tag 1/4 >>> |
|
|
|
||
|
|
Das Wetter war nicht so toll in diesem Jahr. Es regnete und es wurde kälter. Das Belgenbachtal war total verschlammt. Freundlicherweise durften wir auf den Hof der Familie Funken ausweichen. Unser neues Umfeld war eine leere Scheune und viel Landschaft rund um. Da gibt es Wiesen, Wald, die alte Vennbahntrasse und vieles mehr. Nach einer kurzen Exkursion ins Umland, entschieden wir vorerst auf dem Hofgelände zu bleiben. Deutlich fasziniert waren wir von den Steinen im Hof. Split, Schotter, Fliesenbruchstücke oder Tonscherben boten uns eine riesige Fundgrube. Ebenso beeindruckend war die Ordnung auf dem Gelände, die es dem Gestalter leicht macht, sichtbar einzugreifen. | |
![]() |
||
| Die erste Arbeit war die Platzierung eines Autoreifens, außerhalb der auf dem Hof vorherrschenden Ordnung (Michael). Obwohl der Reifen nicht ganz mittig (zwischen Tür und Regenrinne) sitzt, wirkt er bildnerisch gehalten. Das Rot der Regenrinne hält den schwarzen Reifen vor der hellen Wand und so entsteht ein Gleichgewicht, zwischen heller Fläche und grafischen Objekten. Trotz 'unpraktischer' Platzierung wirkt es aufgeräumt. Tobias - Der frisch angelegte Steingarten, ist mit seinen hellen, großen Steinen, ein verbindendes Gestaltungselement zwischen dunkler Holzwand und kleinteiligem, hellem Schotterboden. Gleichzeitig betont er eine Wegführung. Tobias befasste sich mit dem Kontrast und der Bewegung. Kleine rote Steine suchten sich ihren Weg zwischen den blassen, großen Brocken. Der Blick des Betrachters wurde geführt und setzte die große Bewegung im kleinen fort. | ||
![]() |
||
| In der Scheune war es trocken. Heu und Stroh sind natürliches, aber nicht mehr lebendiges Material. Die folgend beschriebenen Arbeiten reagierten vorwiegend inhaltlich auf den Ort. Lebendige Fundstücke wie Blüten, Astwerk oder noch grüne Grasreste wurden im Kontrast zum 'toten' Material Heu oder Stroh eingesetzt und schlossen gedanklich den Kreislauf des Lebens. Alle Platzierungen gingen ein, auf die vorgefundenen Formen. Ronja steckte Margaritten in die Mitte der gerollten Heuballen und betonte das Herzstück mit einem Kranz aus grünem Grasschnitt. Nadja richtete den Blick des Betrachters auf einen Vorsprung im Heustapel, indem sie einen Farbverlauf, von weiß bis dunkelrot, aus gesammelten Blütenköpfen auflegte. Tatjana bettete ein weich geformtes Blütenornament in den weitläufigen Bodenstreu. Sie betonte, schützte und unterstützte die Form durch einen leichten Anstieg im Streu. | ||
![]() |
||
| Michael setzte einen scharf abgegrenzten, grünen Punkt, dem graugelben Bodenstreu entgegen. Er verschaffte dem Punkt mehr Raum, indem er den Streu beiseite schob und einen kreisrunden Wall um ihn herum andhäufte. Linda, Janina und Gina sammelten Elemente und Strukturen aus dem Umfeld. Es entstand eine Materialcollage | ||
| Tobias entdeckte die Holzwand im Inneren der Scheune für sich. Wieder lenkte er den Blick auf Zwischenräume und folgte der Form. Kleine Strohsterne spreizten sich zwischen den Latten oder Grasschnitt verstopfte den Zwischenraum. Grashalme folgten der Holzmaserung. Später fand er den übergeordneten Rhythmus in der Architektur der Holzwand und begann die Zwischenräume mit unterschiedlichen Strukturen zu füllen. Eine neue Ordnung entstand. - Pause auf der Karre - | ||
| Unser Gastgeber hatte Geburtstag. Nach einer kleinen, aber herzlichen Würdigung dieses Tages, gingen alle wieder an die Arbeit. Das Wetter wurde besser. Michael begann auf dem Hof einen Kreis aus hellen Steinen auf dunkle zu legen. Das war ihm zuwenig und er begann sein Projekt zu erweitern. Nadja plante einen Verlauf. | ||
![]() |
||
| Ronja ließ sich von der Farbe der Holzwand beeinflussen und es entstanden geschlängelte, kleinteilige Formen aus Fundstücken im Heu. Sie griffen die Farben der Umgebung auf. Der Blick des Betrachters suchte die Verbindung zwischen Wand und Objekt. Durch diesen Zusammenhang, verschafften sich die kleinen, sonst im Heu verschwindende Arbeit, Raum. | ||
![]() |
||
| Tatjana legte noch ein lebendiges Ornament mit Symbolcharakter in den Bodenstreu. Der Kreis und das Kreuz haben in unserer Gesellschaft eine tiefgründige und im Unterbewusstsein verankerte Bedeutung. Nach der ersten Besprechung, die den Kontrast zwischen Leben und Tod und die Kostbarkeit des Lebens ansprach, folgte bei Tatjana diese Formensprache. Im Detail besehen, hat sie noch ein Thema gestreift. Das keilförmige Stück Ton hat viel zu tun mit dem keilförmigen Blatt. Obwohl die beiden Materialien so verschieden sind, verstärken sie ihre Wirkung im Ornament, durch eine Betonung der Gemeinsamkeit. Nadja hat ihren Standort verlagert. Sie plante eine optische Täuschung. Ein roter Riss im Schotterboden sollte entstehen. Leider wurde die Arbeit wegen zunehmend schlechtem Wetter nicht fertig. | ||
![]() |
||
| Gina, Janina und Linda haben inzwischen ein Großprojekt umgesetzt. Wieder greifen sie das Thema Materialcollage auf. Diesmal aus Fundstücken, die sie im direkten Umfeld vorgefunden haben. Die Formgebung ihrer Arbeit erinnerte an Gebäudedetails, an Bewegungsabläufe und an den ursprünglichen Gebrauch der benutzten Gegenstände im Umfeld. Der Betrachter sucht nach Parallelen und fand die grüne Abgrenzung (Buchenblätter) im Inneren der Reifen, in der angrenzenden Buchenhecke. Die Reihung der Reifen wurde der Handhabung auf dem Silo nachempfunden. Die schlangenförmig ausgelegte Steinreihe lag nicht zufällig. (So wie nichts auf dem Hof) Sie führte den Blick des Betrachters nach vorn und nach hinten, - dem Weg folgend. Nach rechts und links ausschweifend, regte sie die Beweglichkeit des Schauens an und lässt sie am Ende auf dem bunten Schotterboden landen. | ||
![]() |
||
| Michaels Arbeit ist fertig. Er nutzte eine zufällige Schattierung zwischen dem hellen und dunklen Split, um seine raumgreifende Arbeit zu platzieren. Die immer größer werdenden Kreise vermitteln den Eindruck von Fortsetzung. Ronja baute ein figürliches Objekt. Ein fröhlicher 'Materialmixmann' spiegelt unsere Grundstimmung am heutigen Tag wieder. Tobias wurde großformatig. Es gelang ihm, mit seiner Bodenarbeit, eine raumgreifende Wirkung zu erzeugen. Er bildete mit Heu die architektonischen Bauelemente der, im rechten Winkel zum Boden stehenden, Holzwand nach. In einer Breite, die den am Ende der Scheune stehenden Strohballen aufgriff. So entstand zwischen Strohballen, Holzwand und gestaltetem Boden eine Verbindung. Der Betrachter nimmt den Luftraum dazwischen als Raum im Scheunenraum wahr. | ||
| >>> Tag 2/4 | ||
|
© Sabine Jacobs |
||